02.11.2026
Was den Trattlerhof 1737 zum Schauplatz einer kuriosen Geschichte machte – und warum sich ein Besuch heute lohnt.

November 1737. Bad Kleinkirchheim, Kärnten. Die Jesuiten „herrschen“ über die Gegend rund um den Millstätter See. Der Überlieferung zufolge treiben sie deutlich höhere Abgaben von den Landwirt:innen ein als den eigentlich vorgesehene zehnten Teil. Die Stimmung gegenüber den Bewohner:innen des Klosters dürfte auch in Bad Kleinkirchheim deshalb denkbar angespannt gewesen sein. Doch umso angespannter die Lage, desto größer der Gewinn, den man daraus schlagen kann, weiß man sie nur für sich selbst zu nutzen. Das denkt sich 2026 der ein oder andere Tech-Milliardär, das dachte sich vor knapp 300 Jahren der Wiener Hofnarr und Winkeladvokat Joseph Paul Zopf.
Der vorgesehene Weg zum großen Geld: Er legte den aufgebrachten Bäuer:innen ein gefälschtes Schreiben vor, in dem der Kaiser die Plünderung des Klosters in Millstadt legitimierte. Diese hatten sich zwar tatsächlich in einem Brief an den Kaiser gewandt, tätig geworden war in Wien jedoch noch niemand. Seis drum, die vermeintliche Antwort schien glaubwürdig. Am 2. November 1737 machten sich rund 300 Bauern auf und plünderten das Kloster, ehe zwei Tage später bewaffnete Bürger:innen aus Spittal dem Treiben ein Ende setzten. Da hatte sich Zopf die eigenen Taschen bereits vollgemacht und hätte längst über alle Berge sein können, hätte es ihn nicht noch in den Trattlerhof gezogen. Der Wirt erkannte ihn, Zopf wurde gefangen und 1738 enthauptet. Den Trattlerhof, damals noch Trattlerwirt, gibt es noch heute und Zopf hat sich dort im Grunde verewigt. In der „Zopfstube“ zeugt noch heute ein riesiges Wandgemälde von dem Vorfall.
Damit aber genug Geschichte für heute. Was macht dieses Haus und die Nockberge, in denen es eingebettet ist, 2026 so besonders?
Eine Antwort darauf findet man vielleicht schon darin, dass sich der Trattlerhof nicht auf seine Geschichte verlässt. Zum historischen Gutshof sind über die Jahre neue Orte hinzugekommen. Einer davon liegt etwa 15 Minuten fußläufig vom Haupthaus: Trattlers Einkehr. Was 1979 als Tennishütte mit einfacher Gastronomie begann, ist heute die kulinarische Außenstelle des Hauses. Auf den Tisch kommen Kärntner Spezialitäten, Dry-Aged-Beef sowie Forellen und Saiblinge, wobei regionale und saisonale Produkte eine zentrale Rolle spielen. Das Holz der Einkehr ist übrigens selbst ein Stück Geschichte: Es stammt von einem mehr als 300 Jahre alten Stadl aus St. Oswald, der abgetragen und hier wieder aufgebaut wurde.

Deutlich jünger ist ein anderer Teil des Trattlerhofs. Seit Ende 2017 ergänzen 14 Hof-Chalets das historische Hotel. Die bis zu 110 Quadratmeter großen Hütten wurden unter anderem mit Lärchen- und Fichtenholz heimischer Betriebe gebaut und verbinden Almhüttencharakter mit einem privaten Spa samt Panoramasauna und beheizter Außenwanne. Ihre Lage macht sie vor allem für jene interessant, die zwar für sich sein, die Nockberge aber direkt vor der Haustür haben wollen: Im Sommer führen Bike- und Wanderwege vorbei, im Winter liegt die Skipiste unmittelbar an den Chalets.

Wer lieber im Gutshof bleibt, findet dort wiederum eine 1.000 Quadratmeter große Spa-Landschaft mit Hallenbad, beheiztem Außenpool, Panoramasauna und Ruheraum. Und auch außerhalb des Hauses ist Wasser ein Thema: Mit dem Thermal Römerbad und der Therme St. Kathrein liegen zwei Thermen in Bad Kleinkirchheim.
Besonders interessant wird die Umgebung im Herbst. Dann führen Wanderwege durch den UNESCO-Biosphärenpark Nockberge, vorbei an Bergseen, Almhütten und sich verfärbenden Lärchen. Wer lieber auf zwei Rädern unterwegs ist, findet rund um Bad Kleinkirchheim insgesamt 750 Kilometer Radstrecken – von Familienrouten bis zu Singletrails. Und wer noch einen letzten Abschlag vor dem Winter unterbringen möchte, findet auf 1.100 Metern Seehöhe Kärntens höchstgelegenen Golfplatz.

Auch Familien müssen dafür nicht zwangsläufig weit weg vom Gutshof. Ponyfarm und Reitstall gehören zum Haus, außerdem werden unter anderem Angeln im eigenen Fischteich, Pizzabacken in Trattlers Einkehr, Fackelwanderungen und Pferdekutschenfahrten angeboten.
Dass die Landschaft hier mehr sein soll als bloße Kulisse, zeigt sich auch beim Thema Nachhaltigkeit. Der Trattlerhof setzt auf regionale und saisonale Lebensmittel, ausgewählte Bio-Produkte und erneuerbare Energie. Seit 2014 wird der Betrieb mit Biowärme beheizt; über ein eigenes Wasserkraftwerk erzeugt das Haus nach eigenen Angaben inzwischen mehr Strom, als es selbst verbraucht. Hinzu kommen E-Ladestationen sowie E-Bikes und ein hoteleigenes Elektroauto für Ausflüge. Der Trattlerhof trägt außerdem sowohl das österreichische als auch das europäische Umweltzeichen.

Vielleicht liegt genau darin die Verbindung zwischen 1642 und 2026: Der Trattlerhof versucht nicht, seine Vergangenheit zu konservieren, sondern sie weiterzubauen. Mal mit einem alten Stadl, der zum Restaurant wird, mal mit neuen Chalets aus heimischem Holz – und vor allem mit den Nockbergen vor der Tür. Und manchmal auch mit der Erinnerung an den Wirt, der Joseph Paul Zopf überführte.
Von Felix Moßmeier
Ein Schmankerl zum Schluss: Longevity im Urlaub
Mit dem sanochron-Konzept ergänzt der Trattlerhof sein Wellnessangebot um einen Longevity- und Biohacking-Schwerpunkt. Herzstück ist ein 75-minütiger „Body Mind Soul Scan“, bei dem unter anderem Energiehaushalt, Regeneration, Stress, Routinen und Lebensführung betrachtet werden. Auf Basis der Analyse und eines Coachings sollen Gäste konkrete Impulse etwa zu Schlaf, Bewegung, Ernährung und mentaler Balance mit in den Alltag nehmen. Ergänzt wird das Konzept vor Ort durch Bewegung in der Natur, Slow Food, Wellnessangebote und Eisbaden.




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