31.03.2025
Der Schöpfer von “In Signo Leonis” hat das österreichische Rotweinwunder maßgeblich mitgestaltet.
In jungen Jahren zog es Heribert Bayer nach Mailand, wo er nicht nur Chemie studierte, sondern wo auch seine Liebe zur Weinwelt entfacht wurde. Sein Brotberuf blieb vorerst die Chemie, wo er in unterschiedlichen Unternehmen Führungspositionen bekleidete. Seine Leidenschaft galt aber immer dem Wein. “Es gab keine Fachliteratur, egal ob in deutscher, englischer oder auch italienischer Sprache verfasst, die er nicht gelesen, kaum namhafte Weine, die er nicht verkostet hat”, erinnert sich Sohn Patrick Bayer. Durch sein Wissen und seinen Weitblick entwickelte er sich vom Konsumenten zum Akteur der heimischen Weinbau-Geschichte.
Als der Ruf österreichischer Weine nach dem Weinskandal am Boden zerstört war, orientierte er sich an der Stilistik international erfolgreicher Weine und schaffte es, als önologischer Berater zahlreicher namhafter Weingüter, die Qualität burgenländischer Rotweine entscheidend zu steigern. Malolaktische Gärung oder der Einsatz von Barrique waren in Österreich bis dahin noch weitgehend unbekannt. Die Erfüllung seines Lebenstraums war dann schließlich der eigene Wein. Mit "In Signo Leonis" manifestierte er seine Vorstellung eines authentisch österreichischen Weins von internationaler Klasse.
Die burgenländische Gemeinde Neckenmarkt wurde nach langer Suche sein absolutes Traum-Terroir und im Alter von 60 Jahren entschloss er sich, diesem Lebenstraum ein Zuhause zu geben. Die Kellerei “In Signo Leonis” wurde realisiert. “Für diesen Schritt werde ich ihm mein Leben lang dankbar sein, denn dieser diente auch als Fundament für meine Weinleidenschaft. Er hat mich vinophil geprägt, mir all sein Wissen vermittelt und ab meinem ersten Tag im Berufsleben freie Hand gegeben, eine Freiheit, die nicht jedem Jungwinzer zuteil wird. Tatsächlich hat er den ganzen Betrieb eigentlich nur für mich aufgebaut. Er hat sich, seitdem es die Marke Heribert Bayer gibt, keinen einzigen Euro als Lohn ausbezahlt und jeden Euro in die Verwirklichung unseres gemeinsamen Traums gesteckt. Ein Werk, das ich mit all meiner Kraft weiterführen werde” sagt Sohn Patrick Bayer.
Anlässlich seines 80. Geburtstags kreierte Heribert nochmals einen Wein und gab ihm den denkwürden Namen "Einmalig". Zum Unterschied zu all seinen früheren Kreationen war dieser zur Gänze aus einer internationalen Rebsorte, dem Cabernet Sauvignon. Dieser Wein aus dem Jahrgang 2019 sollte sein letztes Meisterwerk sein. Heribert Bayer entschlief in den frühen Morgenstunden des 28. März 2025. Unser ganzes Mitgefühl gilt in dieser schweren Stunde der Familie und den Freunden von Heribert Bayer. Mit dem “Einmalig” und vielen anderen großen Weinen wird er uns noch ganz lange in Erinnerung bleiben und mit jedem Glas werden wir an ihn denken.
von Bernhard Degen
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