20.03.2025
Die meisten Produkte aus dem Supermarkt kommen über eine Basisqualität nicht hinaus. Als Unterlage für Marmelade & Co eignen sie sich aber immerhin.
Erster kulinarischer Höhepunkt nach der Fastenzeit ist für viele Österreicher*innen der traditionelle Osterstriezel. Geflochtene Teigstränge stehen für Zusammenhalt, Gemeinschaft und oft auch für die Verflechtung von Leben und Tod – passend zur Osterzeit, die für Wiedergeburt und neues Leben steht. Viele backen den Osterstriezel nach Familienrezept selbst, die meisten jedoch kaufen ihn beim Bäcker oder im Supermarkt. Gault&Millau hat eine hochkarätige Jury zusammengestellt, um die besten Striezel aus den heimischen Supermärkten zu ermitteln.
Die Erwartungen an einen guten Striezel sind hoch: Optisch soll eine glänzende Oberfläche und ein appetitanregender Braunton zum Kauf anregen. Ein frischer Striezel soll zarthefig duften und an den Geruch einer Backstube erinnern. Geschmacklich ist gar nicht viel Eigengeschmack nötig, Milch-, Butter- oder Vanilleanmutung sind willkommen, wenn sie nicht zu vordergründig werden. Natürlich soll ein Striezel süß schmecken, plumpe Süße ist aber fehl am Platz. Entscheidende Bedeutung kommt dem Mundgefühl zu, frisch und flaumig soll ein Striezel sein. Die Realität sieht aber oft anders aus, viele waren kompakt und trocken und erinnerten mehr an Semmelteig. Die Textur wurde am Gaumen oftmals rasch pappig. Einzelne Striezel waren so faltig und zerdrückt, dass man sich fragen musste, wie lieblos sie wohl transportiert oder gelagert wurden.
So schnitten die anonym eingekauften Striezel konkret ab (die besten zehn von zwölf verkosteten Produkten). Die Preise wurden auf 1 kg hochgerechnet.
Der Einladung von Gault&Millau folgte eine hochkarätige Fachjury mit Fünf-Hauben-Koch Silvio Nickol (Restaurant Silvio Nickol im Palais Coburg), Andreas Mahl (Küchendirektor im Hotel Imperial), Jürgen Vsetecka (Chefpatissier Café Prückel, “Chief of Sugar”), Sophie Mussotter (Patissière im Grand Hotel Wien, Patissière des Jahres 2023 in Deutschland), Sandra Scheidl (Köchin, Culinary Arts), Eva Derndorfer (Sensorikerin, Podcasterin “Wissenshäppchen), Romana Fertl (Sensorikerin, OpenSense) sowie Vertreter der Gault&Millau-Redaktion.
Der Eindruck der meisten Jury-Mitglieder war, dass die Supermarkt-Striezel ihre Funktion als Unterlage für Butter, Marmelade & Co zwar erfüllen, die Qualität jedoch kaum über ein Basisniveau hinausgeht. Wer seiner Familie zu Ostern etwas Besonderes bieten möchte, der sollte sich überlegen, den Striezel selber zu backen. “Das ist keine Hexerei”. Meinen zumindest die Köch*innen und Bäcker*innen der Fachjury.
Das Team des ORF konkret hat die Verkostung begleitet und strahlt seinen Bericht am 20.3. um 18:30 Uhr aus.
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