26.03.2025

Josef Umathum startet PIWI-Offensive

Der burgenländische Spitzenwinzer stellte eine beeindruckende Serie neuer Weine vor. Da die Sorten weitgehend unbekannt sind, benennt er sie nach Planeten.

Josef Umathum und Vitus Winkler
Josef Umathum und Vitus Winkler © www.zweischrittweiter.at

Bis zu 300 neue Rebsorten kommen im PIWI-Segmet jedes Jahr neu auf den Markt. PIWI steht für Pilz-widerstandsfähige Züchtungen, die ein wesentlich nachhaltigeres Bewirtschaften der Weingärten erlauben. Rund 80 Prozent spart man sich laut Josef Umathum nicht nur an Spritzmitteln ein, sondern auch an Fahrten in die Rebzeilen, das bedeutet ganz nebenbei auch stark verbesserte Bodengesundheit. Einige PIWI-Sorten, von Donauriesling bis Rösler, sind bereits als österreichische Qualitätsrebsorten anerkannt. Aufgrund der rasanten Entwicklung bei den Neuzüchtungen hat sich Josef Umathum aber dafür entschieden, die Sorten gar nicht zu kommunizieren und stattdessen Geschmacksbilder herauszuarbeiten. Diese nennt er nach Planeten und setzt bei der Wertigkeit ganz oben an. Die sechs Kreationen – Saturn, Venus, Jupiter, Merkur, Mars und Mond* – nur gemeinsam in der Holzkiste zu 290 Euro erhältlich, beweist Umathum wieder Mut zur Avantgarde.

“Alles, was wir auf unserem Planeten Erde finden, findet sich auch im Kosmos”.
Anthroposoph Rudolf Steiner

Für die Erstpräsentation der PIWI-Kollektion engagierte Umathum mit Vitus Winkler einen Avantgardisten aus der heimischen Gastronomie. Der Salzburger Vier-Hauben-Koch hat seine Küche auf altes Kräuterwissen aufgebaut und am Weingut in Frauenkirchen ein perfekt auf die Weine abgestimmtes Menü gezaubert. Die Premiere, zu der am 19. April ausgewählte Journalist*innen geladen wurden, stand unter dem Motto “Die Großmutter und die jungen Wilden”. Die Großmutter ist in der Kollektion der Merkur und aus der uralten pannonischen Rebsorte Lindenblättriger aka Hárslevelű gekeltert. Umathum hatte das Potenzial der Sorte schon früh erkannt und beim Launch im Jahr 2010 für einen handfesten Skandal gesorgt. Ihm wurde untersagt, die Sorte am Etikett anzuführen, deshalb griff er zur Selbst-Zensur und schwärzte die inkriminierten Stellen öffentlichkeitswirksam. 15 Jahre später merkt man, dass sich die Rebstöcke im besten Alter sind und Umathum mit viel Erfahrung einen komplexen und vielschichtigen Wein geschaffen hat.

Galerie

Winklers Kreationen und Umathums Weine: Frühlingssalat & Venus
Winklers Kreationen und Umathums Weine: Frühlingssalat & Venus © www.zweischrittweiter.at
Frischfeld & Saturn
Frischfeld & Saturn © www.zweischrittweiter.at
Frühlingswiese & Merkur
Frühlingswiese & Merkur © www.zweischrittweiter.at
Tauernhendl & Jupiter
Tauernhendl & Jupiter © www.zweischrittweiter.at

Warum PIWI?

Klimawandel und geändertes Konsument*innenverhalten stellen die heimische Weinwirtschaft vor gewaltige Herausforderungen. Einfach so weitermachen wie bisher ist keine Option. Es braucht weniger Alkoholgehalt, mehr Seele in den Weinen und wieder mehr Spaß am Weingenuss. In den Weingärten müssen Strategien gegen ambivalente Probleme gefunden werden. Es braucht Rebsorten, die einerseits gut mit Hitze und Trockenheit klarkommen und andererseits resistent gegen Pilzkrankheiten sind, die insbesondere nach Starkregen-Ereignissen auftreten. Josef Umathum hat die Zeichen der Zeit früh erkannt und bereits vor mehr als 30 Jahren begonnen, neue Sorten zu prüfen, zu selektionieren und schließlich auszupflanzen. Der Frauenkirchner Winzer hat festgestellt, dass es sich dabei um einen Prozess handelt, bei dem laufend nachgeschärft werden muss. Dafür holte sich Umathum Expertise von der deutschen Önologin Sophie Butz, die die Entwicklung am Weingut seit drei Jahren mitgestaltet. Sie sieht in den PIWIS noch ungeahntes Potenzial: “Seit hunderten Jahren werden Reben gekreuzt und selektiert, die Erfahrung mit PIWIS ist im Vergleich noch extrem jung.” Vor allem wenn man bedenkt, dass es von einer erfolgreichen Kreuzung bis zum ersten Wein in der Flasche rund 30 Jahre dauert.

Wider die Monokultur

Die richtige Rebsorte für den richtigen Platz zu finden, ist eine der wesentlichsten Entscheidungen, die gut überlegt werden sollen. Es ist aber nur eine von vielen Maßnahmen, um den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden. Wetterextreme haben die Erosion verschärft, die durch cleveres Begrünungsmanagement zwischen den Rebzeilen nur einigermaßen erfolgreich bekämpft werden kann. Umathum und Butz tüfteln daher an einer Neugestaltung der Weingärten um ein eigenes Mikroklima zu schaffen. “Vitiforst” bündelt die Maßnahmen mit der Pflanzung von geeigneten Büschen und Bäumen, um die Böden zu schützen und die biologische Vielfalt zu erhöhen. Im Endeffekt spürt und schmecket man das alles dann auch bei den Weinen.

www.umathum.at

von Bernhard Degen

Tipp: Der Mars wurde früher als "Piro" gefüllt und vom Autor mit Alain Weissgerber verkostet. zum Video

Auf dem Laufenden bleiben

Melden Sie sich kostenlos für unseren wöchentlichen Newsletter an.