03.11.2026
Mit Māketo vereint Familie Liu in der Währinger Straße Restaurant, Café und Shop zu einem neuen Konzept.

„Wir wollen als Familie etwas aufbauen und gemeinsam weiterentwickeln. Der Weg ist nicht immer gerade, aber wir verfolgen alle dasselbe Ziel“, erzählt Yi Liu im Gespräch mit Gault&Millau vor Ort. Māketo setzt auf eine moderne, leichte Küche mit ostasiatischen Einflüssen, hochwertige Zutaten und eine ungezwungene Atmosphäre. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Menschen zusammenkommen, sich umschauen, verweilen und gemütlich einen Kaffee trinken können“, erklärt Hui Liu. Auch der Name ist Programm: Māketo leitet sich vom Wort „Markt“ ab und soll die Offenheit und Vielfalt des Konzepts widerspiegeln.
Dass sich ein Besuch nicht nur kulinarisch, sondern auch gestalterisch lohnt, zeigt das außergewöhnliche Raumkonzept von Tzou Studios und Künstler sowie Tischlermeister Fabio Spink.
Kulinarisch spannt Māketo einen Bogen zwischen Ostasien und Europa. Am Morgen steht ein europäisch geprägtes Frühstück mit asiatischen Einflüssen auf dem Programm. So finden sich auf der Frühstückskarte etwa French Toast und Eggs Benedict mit japanischen Gewürzen. Mittags und abends gibt es leichte, japanisch inspirierte Bowls und asiatische Tapas. Ergänzt wird das Angebot durch hausgemachte Eistees, Matcha- und Kaffeespezialitäten sowie ausgewählte österreichische Weine und weitere Getränke.
„Wir möchten einen Ort schaffen, an dem verschiedene Kulturen zusammenkommen – vom frühen Morgen bis zum Abend. Hier trifft Kaffeehaus auf Matcha“, beschreibt Michelle Liu die Idee. „Frühstück anzubieten ist für ein asiatisches Lokal eher unüblich. Gerade diese Verbindung macht unser Konzept aber besonders“, ergänzt sie.
Zu den Signature Dishes zählt das „Gyü Shoyu“, ein Gericht mit geschmortem Rindfleisch. „Auf den ersten Blick sieht es simpel aus, aber wir verwenden dafür viele japanische Zutaten. Besonders ist auch das Onsen-Ei, das bei niedriger Temperatur schonend gegart wird. Dafür verwenden wir ausschließlich Bio-Eier“, erzählt Yi Liu.
Auch das Servicekonzept ist auf Flexibilität ausgelegt: Māketo kombiniert klassische Serviceelemente mit Selbstbedienung und schafft damit einen unkomplizierten Rahmen für den schnellen Kaffee ebenso wie für eine ausgedehnte Mahlzeit. Gäste können über zwei Terminals im Eingangsbereich oder per QR-Code direkt am Tisch bestellen. „Wir waren anfangs überrascht, wie viele Gäste automatisch zu den Bestellterminals gegangen sind. Besonders bei jüngeren Menschen kommt das gut an. Gleichzeitig ist uns der persönliche Service sehr wichtig, damit sich alle Gäste willkommen fühlen“, erklärt Hui Liu.
Mit diesem Konzept möchte die Familie ein breites Publikum ansprechen. „Wir wollen möglichst viele Zielgruppen erreichen – Familien, Berufstätige und vor allem auch die jüngere Generation. Schließlich befinden wir uns mitten auf einer Einkaufsstraße“, sagt Hui Liu.
Besonders prägend ist das Interior Design. Die Idee dahinter: ein Stück Park in den urbanen Alltag holen und einen Rückzugsort schaffen, an dem man gerne verweilt. „Wir haben uns gefragt, wo wir selbst am liebsten essen würden. Die Antwort war: eigentlich im Park. Also wollten wir genau diese Atmosphäre in einen Innenraum übertragen“, erzählt Architekt Chieh-shu Tzou von Tzou Studios, der für die Gestaltung verantwortlich zeichnet. Chieh-shu Tzou hat bereits mit gastronomischen Projekten wie dem Asia Pavillon, dem Lido – Bar e Cicchetti und der Kaffeeküche auf sich aufmerksam gemacht hat.
Sanfte Erdtöne, ein beschichteter Estrich in Terrazzooptik und off-white gestaltete Wände bilden die ruhige Basis des Raumkonzepts. Kugelförmige Hängeleuchten, eigens entworfene Holzregale und eine markante Theke greifen die natürlichen Materialien auf. Ein besonderes Detail sind sechs Bäume im Gastraum, die über ein eigens entwickeltes Bewässerungssystem versorgt werden und weiterwachsen können. So entsteht eine Atmosphäre, die an einen kleinen urbanen Garten erinnert.
Bei aller Natürlichkeit sollte das Design jedoch zeitgemäß bleiben. „Eine unserer größten Herausforderungen war es, zu verhindern, dass der Raum zu rustikal wirkt. Wir wollten schließlich keine Almhütte bauen“, erklärt Chieh-shu Tzou. Durch gezielte Detaillösungen und die Kombination von Holz mit modernen Materialien entstand eine Gestaltung, die Natürlichkeit und urbane Leichtigkeit miteinander verbindet.
Das Herzstück der Gestaltung sind allerdings die Möbel. Gemeinsam mit Fabio Spink entwickelte Tzou Studios Sitzbänke, Stehtische und einen Banketttisch, die Wiener Stadtholz im Interior Design einsetzen. Das verwendete Material stammt von gefällten Wiener Stadtbäumen, darunter Ahorn, Esche, Kastanie, Platane und Rotbuche.
Die Zusammenarbeit entstand durch eine zufällige Begegnung. „Fabio und ich haben uns während der Vienna Design Week an der Bar kennengelernt. Dabei haben wir schnell gemerkt, wie gut unsere Konzepte zusammenpassen. Die Idee, gefällte Stadtbäume wiederzuverwenden, hat unser Projekt enorm bereichert“, erzählt Chieh-shu Tzou.
Spink, der als Künstler, Designer und Tischlermeister in Wien arbeitet, versteht Holz nicht nur als Werkstoff, sondern auch als Ressource mit Geschichte. In seiner Zusammenarbeit mit Chieh-shu Tzou verband er traditionelle Tischlerarbeit mit digitalen Technologien. Für Spink bedeutete die Umsetzung auch eine besondere gestalterische Herausforderung. „Ich arbeite gerne experimentell und entwickle immer wieder Neues. Hier musste ich darauf achten, dass die Möbel auch den Anforderungen der Gastronomie entsprechen. Die Oberflächen müssen schließlich leicht zu reinigen und alltagstauglich sein“, erklärt der Tischlermeister.
Hinter dem Projekt steht auch der Verein Stadtholz, der gefällten Wiener Stadtbäumen ein zweites Leben schenkt und sich für die Weiterverwendung lokaler Ressourcen einsetzt. Durch die Nutzung des bereits vorhandenen Materials sollen Ressourcen geschont und CO₂-Emissionen reduziert werden. Der Social-Design-Ansatz wurde unter anderem bei der VIENNA DESIGN WEEK vorgestellt. Mit Māketo findet er nun erstmals Eingang in die Gestaltung eines gastronomischen Innenraums.
Für die Familie Liu ist Māketo zugleich ein weiterer Schritt in einer langen gastronomischen Geschichte. Diese begann 1998, als Senior Liu das Lokal in Währing übernahm. 2007 führten Yi Liu und seine Frau Hui Liu den Betrieb als Liu’s Wok weiter. Nach einem umfassenden Rebranding wurde das Restaurant 2017 als LiuLiu – Asian Cuisine neu eröffnet.
„2017 haben wir uns gestalterisch in eine minimalistische Richtung entwickelt. Wir wollten etwas Helles und Zeitloses schaffen“, erinnert sich Tochter Michelle Liu. Mit Māketo geht die Familie nun einen weiteren Schritt und setzt auf ein noch offeneres, ungezwungeneres Konzept.
Dabei bleibt die Familie dem Standort Währing treu. „Wir fühlen uns als Teil des 18. Bezirks“, betont Yi Liu. Geführt wird das neue Lokal gemeinsam von Yi Liu, Hui Liu und Michelle Liu. Dass die Umsetzung eines neuen Konzepts auch Herausforderungen mit sich bringt, zeigte sich bereits in der Eröffnungsphase. „Wir haben im Oktober mit einem Soft Opening gestartet und hatten von Beginn an sehr viel zu tun. Für uns alle ist es ein neues Konzept, in das wir uns erst gemeinsam einarbeiten mussten“, berichtet Hui Liu.
Māketo ist damit mehr als ein neues Café oder Restaurant: Es ist ein Zusammenspiel aus asiatischer Esskultur, Wiener Handwerk und nachhaltigem Design – und ein Ort, an dem Stadtbäume eine zweite Karriere machen.
von Claire Dufils
















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