03.04.2026

Nordwest-Istrien: Fisch, Trüffel, Malvasia und mehr

In Novigrad und dem umliegenden Hügelland finden wir urige Konobas, Haubenrestaurants und avantgardistische Weingüter.

Herrliche gelegener Gastgarten in Novigrad
Herrliche gelegener Gastgarten in Novigrad © Blu Mare Hotel

Istrien zählt zu den spannendsten Genussregionen Europas – nicht wegen großer Gesten, sondern wegen der bemerkenswerten Dichte an exzellenten Produzent:innen, ehrlicher Küche und Gastgeber:innen mit kompromisslosem Qualitätsanspruch. Zwischen Novigrad, den Hügellagen des Hinterlands und den renommierten Weingütern der Region entfaltet sich eine Route, die kulinarische Tradition mit zeitgemäßer Küche verbindet. Das Gebiet liegt nicht nur geografisch nahe bei Italien, untereinander wird auch überwiegend italienisch gesprochen und das Lieblingsthema ist das gleiche wie im Nachbarland: gutes Essen und Trinken.

Genusshafen Novigrad

Unser Ausgangspunkt ist Novigrad, dessen entspannte Küstenatmosphäre einen idealen Einstieg bietet. Im schicken Hotel Blu Mare wohnt man direkt am Wasser, mit kurzen Wegen in die Altstadt und einem jener Ausblicke, die vor allem am Abend ihre Wirkung entfalten. Besonders stimmungsvoll ist der Sonnenuntergang über dem Meer, wenn die Terrassen und Hafenmauern in sanftes Licht getaucht werden. Ein Logenplatz dafür ist das Restaurant Poporela. Die Lage direkt an der Hafenpromenade macht es zu einer der attraktivsten Adressen des Ortes, vor allem in den Abendstunden. Neben Frühstück und Lunch gibt es abends gekonnte Kompositionen von Chefkoch Daniel aus Deutschland, beispielsweise Wolfsbarsch-Carpaccio (21,50 Euro), Trüffel Fuži (25 Euro) oder den Catch of the Day. Den Abend kann man mit feinen Drinks gleich hier ausklingen lassen, oder man besucht die exponiert im Hafen gelegene Amore Bar.

Wer es etwas ursprünglicher mag, sollte die Konoba Tri Palme einplanen. Die Stärke des Hauses liegt in klassischer Grillküche mit sauberem Produktfokus und aufmerksamen Service. Besonders empfehlenswert sind die Fischgerichte sowie das herrlich gereifte Florentiner Steak vom Grill – tolle Flieschqualität und präzise gegart.

Einen noch konsequenteren Zugang zum Thema Fisch pflegt Damir Beletić in seinem mit drei Hauben ausgezeichneten Restaurant in der Altstadt von Novigrad. Er beherrscht die Kunst des Weglassens in höchster Perfektion, auf dem Teller landen rohe Fische und Meeresfrüchte, nur mit Olivenöl und Salz mariniert. Damir filetiert die Fische vor den Gästen, ihm bei seinen seit Jahrzehnten geübten Handgriffen zuzusehen ist besser als jedes Theater. Bei derartigem Minimalismus bei der Zubereitung und den Zutaten kommt es auf die Produktqualität an – und die ist einfach großartig. Damir erzählt, dass er seit vielen Jahren mit den gleichen Fischern und Lieferanten zusammenarbeitet. Was am Ende am Teller landet, ist schlichtweg sensationell.

Galerie

Restaurant Poporela in Novigrad
Restaurant Poporela in Novigrad © Blu Mare Hotel
Owner Suite im Hotel Blu Mare
Owner Suite im Hotel Blu Mare © Blu Mare Hotel
Novigrad mit dem Hotel Blu Mare
Novigrad mit dem Hotel Blu Mare © Blu Mare Hotel
Konoba Tri Palme in Novigrad
Konoba Tri Palme in Novigrad © Gunter Standl

Genussvolles Hügelland

Derartig gestärkt machen wir uns auf ins hügelige Hinterland, das zur Wiege des kroatischen Weinwunders zählt. Das Herz der lokalen Weinkultur ist der Malvasia, der wahre Schatz ist aber die Sortenvielfalt, die erst langsam entdeckt wird. Einer der frühen Avantgardisten ist Giorgio Clai, der zur Ikone der Naturwein-Freund:innen wurde. Auch wenn er nicht mehr persönlich am Weingut tätig ist, sorgt Kellermeister Tim Whitfield aus Südafrika für die Fortführung seines Erbes. Die maischevergorenen Weine der Ottocento-Serie sind international gefragt, uns hat der Ottocento crni 2022 besonders gut gefallen, eine Cuvée aus Merlot und Refosk (94 Punkte). Tim zaubert dann noch einen reinsortigen Refošk aus seiner Trickkiste: Stara Škola Refošk dedicato a Papá 2016, ein ideal gereifter, perfekt balancierter Wein mit straffer Textur und viel Tiefgang (96 Punkte). Das gewaltige Potenzial des Malvasia zeigt der Sveti Jakov 2021 auf: engmaschige Tannine, tolle Mineralik, Trinkvergnügen pur (95 Punkte).

Keine zehn Minuten entfernt liegt die wunderbare Konoba Ponte Porton, wo regionale Küche in klassischer Form auf den Tisch kommt: Pasta, Fleischgerichte, Pilze, Trüffel – bodenständig, aber mit Anspruch. Die erst 20-jährige Küchenchefin Gaia Zec ist Publikumsliebling im TV-Kochwettbewerb Masterchef Croatia und hat ein feines Händchen für kunstvolle Verarbeitung bester Zutaten, insbesondere von Wild.

Ein ziemlich einzigartiges Portfolio bietet das Weingut Rossi. Neben Wein spielen hier auch hochwertige Spirituosen, Cocktails und professionell geführte Verkostungen eine wichtige Rolle. Die Verkostungsräumlichkeiten sind sehr gediegen, von den gemütlichen Gastgärten bietet sich ein herrlicher Ausblick in die Hügellandschaft. Die Betreuung des Serviceteams ist so aufmerksam und wird mit herausragender Glaskultur begleitet, dass man hier leicht die Zeit übersieht.

Wein- und Konoba-Träume

Ein vinophiler Vordenker der Region ist Franco Kozlović, der den Leitbetrieb der Region mit Vision und Courage aufgebaut hat. Den Großteil seines Tuns widmet er dem Malvasia, den er in vielerlei Schattierungen keltert, ein Kleinod ist der Santa Lucia 2018, der aus einer im Jahr 1961 bepflanzten Monopollage stammt: vielschichtig, ledrig, Trockenfrüchte, Oliven, Kräuter, noch immer vor seinem Reifehöhepunkt (94 Punkte). Rotweinfreunde werden mit dem Santa Lucia Teran 2017 voll auf ihre Rechnung kommen (93 Punkte). Die Lage des eindrucksvoll designten Weinguts ist wahrlich bevorzugt und wird von Einheimischen und Gästen für Verkostungen eifrig frequentiert.

Nach der Verkostung brauchen wir etwas Deftiges. Und finden es in der benachbarten Konoba Stari Podrum, einem idealtypischen Familienbetrieb. Die Trüffelpasta ist sensationell, wird aber noch vom Florentiner Steak der Träume übertroffen: rauchig, röstig, saftig vom Fogolar. Das Gasthaus ist völlig zurecht so beliebt, dass es de facto von früh bis spät voll ist.

Nach dem Trubel besuchen wir Katarina und Tom Riederer, die sich mit der erhaben gelegenen Casa Dante einen geschmackvollen Rückzugsort geschaffen haben. Wir kennen die beiden noch aus der Südsteiermark, wo sie in Leutschach (heute Lieperts Kulinarium) und im Pfarrhof von St. Andrä im Sausal (heute Irka am Pfarrhof) viele Hauben erkocht und eine große Fangemeinde aufgebaut haben. Nun führen sie ihr entspanntes Boutique-Hotel mit Natur-Pool, Terrasse mit Meerblick und im Herzen eine Küche, die alle Wünsche erfüllt. Tom kocht nicht nur für Hausgäste, sondern für (und mit) alle(n) Interessierten, die die Schönheit des istrischen Hinterlandes für sich entdeckt haben. Das fantastische Interieur wurde von Gastgeberin Katarina gestaltet, die auch einen kleinen Design- und Antiquitätenladen kuratiert.

Fine Dining

Den kulinarischen Schlusspunkt setzt ein Dinner im Fine-Dining-Restaurant Luciano (2 Hauben) im San Canzian Hotel & Residences. Die Hotelanlage ist harmonisch in ein mittelalterliches und (fast) nicht mehr bewohntes Dorf hineingewachsen und verkörpert moderne Beherbergung auf internationalem Spitzenniveau. In der Küche sorgt Shootingstar Pavo Klarić für bemerkenswert klare Linien und viel Geschmack auf den Tellern. Das Restaurant-Interieur ist recht nüchtern, aber in der warmen Jahreszeit sitzt man ohnehin auf der schönen Terrasse und genießt den Ausblick. Der Weinkeller ist auf höchstem Niveau bestückt und wird vom kundigen Sommelier Benjamin hingebungsvoll kuratiert. Hoteldirektor Dragan Drlja hat uns übrigens verraten, dass in unmittelbarer Nachbarschaft ein noch viel größeres Resort mit ähnlicher historischer Dorfstruktur und ebenso nachhaltiger Philosophie entsteht. Wir werden das verfolgen.

Diese Genussreise zeigt eindrucksvoll, auf welch wunderbaren Schätzen die istrische Genusskultur beruht, von authentischen Konobas mit den typischen Fogolars bis zu Fine-Dining-Restaurants. Dazu kommen die exzellenten Lebensmittel der Region, von frischen Fischen und Meeresfrüchten, über Trüffeldelikatessen und gekonnt gereiften Rindfleischspezialitäten bis hin zu verführerischem Malvasia, Teran und Refošk. Dahinter stehen gastfreundliche Menschen, die einem beim Aufenthalt in Istrien unvergessliche Wohlfühlmomente bescheren.

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