19.10.2026
Die neue Ausgabe des Gault&Millau Führers hat eine historische Dimension. Erstmals in der 39-jährigen Geschichte wurde die Höchstwertung mit 100 Punkten vergeben.

Der Gault&Millau Weinguide unterscheidet sich markant von vergleichbaren Publikationen. Die Weine werden im Rahmen echter Blindverkostungen von einer unabhängigen Profi-Jury bewertet. Das Tasting-Team arbeitet dabei nicht in irgendeinem stillen Kämmerchen, sondern im Foyer von Partner Del Fabro Kolarik in aller Öffentlichkeit. Außerdem dürfen die Winzer:innen selbst entscheiden, welchen Jahrgang sie einreichen möchten, die Weine müssen nur in ausreichender Anzahl im Handel verfügbar sein und natürlich darf jeder Wein nur einmal eingesandt werden. Dadurch ergibt sich für die Leser:innen eine große Jahrgangsvielfalt und die Gewissheit, dass die Weine in weitgehend idealer Reife verfügbar sind.
Die Mehrzahl der Einreichungen fiel auf das Jahr 2023, ein sensationeller Jahrgang in allen Farben und Regionen. Herausragend war das Jahr ganz offensichtlich für Blaufränkisch, der hier brillieren konnte wie noch nie. Sowohl der Blaufränkisch Spitzerberg Obere Spitzer 2023 von Dorli Muhr als auch der Moric Alte Reben 2023 von Roland Velich wurden mit 100 Punkten ausgezeichnet. Noch nie in der Geschichte von Gault&Millau waren 100 Punkte vergeben worden. Armin Tement zauberte auch noch ein Ass aus dem Ärmel und reichte seinen Sauvignon Blanc Zieregg XT 2017 ein. Trotz aller gebotenen Zurückhaltung was Höchstwertungen betrifft, hier war das Jury-Urteil klar und einstimmig: 100 Punkte. Der Jahrgang 2024 präsentierte sich ausgewogen und der 25er hat alle Anlagen für einen ähnlich großen Jahrgang wie den 23er. Die Wachau ist hier schon weitgehend vorgeprescht und hat entsprechende Pflöcke eingeschlagen.
Besondere Aufmerksamkeit galt diesmal auch den erstmals zugelassenen alkoholfreien Alternativen, deren Qualität in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gestiegen ist. Die beste alkoholfreie Kreation wurde mit dem Preis “Freiheit des Jahres” ausgezeichnet. Finden Sie hier eine Übersicht über alle Preise und Preisträger:innen:
Die Blaufränkisch-Serie 2023 von Dorli Muhr sorgte bei der Verkostung für einen der besonderen Momente des Jahres. Schon der Einstieg überzeugte mit Präzision und Finesse, mit jedem weiteren Wein steigerte sich die Kollektion. Höhepunkt war der Blaufränkisch Spitzerberg Obere Spitzer, der zu den herausragenden Weinen des Jahrzehnts zählt (100 Punkte). Mit Tochter Anna Niepoort und Kellermeister Lukas Brandstätter sind die Weichen für die Zukunft gestellt. (Zum Artikel)
Georg Nigl aus Perchtoldsdorf arbeitet biodynamisch, vergärt spontan und setzt Schwefel möglichst zurückhaltend ein. Sein maischevergorener Sauvignon Blanc Spätfüllung 2022 verbindet Zitrus und Bergamotte mit Stachelbeere, Cassis und Brennnessel. Die gesamte Kollektion überzeugte, der lebendige Sauvignon setzte sich als Favorit durch. (Zum Artikel)
Else Zuschmann und Peter Schöfmann zählen mittlerweile zu den führenden Sektproduzenten Österreichs. Der Chardonnay Ried Schrickerberg Brut Sekt Austria Große Reserve 2021 zeigt eindrucksvoll, wie lange Hefereife Tiefgründigkeit bringen kann, ohne Frische und Spannung einzubüßen. (Zum Artikel)
Nina Fink bringt internationale Erfahrung ins Gasthaus Haberl in Walkersdorf. Ihre Stationen führten sie unter anderem ins Tantris, ins Waldhotel Sonnora und ins IGNIV von Andreas Caminada. In Stockholm bestand sie die Prüfung zum Certified Sommelier. Im Gasthaus Haberl verantwortet sie eine Karte mit mehr als 400 Positionen und österreichischem Schwerpunkt. Entscheidend ist dabei ihr Verständnis von Wein als Kommunikation: Beratung soll verbinden und nicht belehren. (Zum Artikel)
Unweit der slowenischen Grenze hat Tamara Kögl einen besonderen Ort geschaffen: Weingut, Verkostungsraum, Pension und Buschenschank bilden eine Einheit inmitten steiler Weinberge. Ihre biodynamisch erzeugten Stillweine zeichnen sich durch Finesse und Lebendigkeit aus, die Pet Nats durch überzeugenden Trinkspaß. (Zum Artikel)
Alkoholfrei ist längst mehr als eine geschmackliche Notlösung. Ausgezeichnet werden die Besten in mehreren Kategorien: Krispel mit Zero rot 2019 als alkoholfreier Wein, Masser mit Brut Rosé als Schaumwein, Rudi Hofmann für Verjus, Eichberger für prickelnden Verjus, Brustbauer für Traubensaft und Toni Hartl für prickelnden Traubensaft. (Zum Artikel)
Mit der „Freiheit des Jahres“ gibt es erstmals eine eigene Auszeichnung für die beste alkoholfreie Alternative zu Wein. Premierensieger ist das Weingut In Vino Weix Weixelbaum mit Ex Sparkling. Traubensaft, Verjus, Quitte, Wasser und Kohlensäure ergeben ein vielschichtiges Getränk mit Zitruszesten, frischem Apfel, Würze und ätherischen Noten. (Zum Artikel)
Morandell feiert 2026 sein hundertjähriges Bestehen. Eine prägende Verbindung entstand bereits in den 1960er-Jahren mit Antinori: Aus einem spontan gekauften Fass Chianti entwickelte sich eine bis heute bestehende Partnerschaft. Heute führen Mario und Christoph Morandell das Unternehmen in vierter Generation. Zum Geschäft gehören die Betreuung der Gastronomie ebenso wie das Privatkundengeschäft über Vinorama. (Zum Artikel)
Rund 2.700 Positionen und mehr als 90 offene Weine machen die Karte des Wiener Heunisch & Erben zu einer außergewöhnlichen Sammlung. Robert Brandhofer und Markus Gould verbinden internationale Klassiker, Raritäten und Newcomer. Das Spektrum reicht von Chablis und Burgund bis Wachau und Barolo, von Orange Wine bis Sake. Trotz des enzyklopädischen Umfangs bleibt die Karte zugänglich und auf den Gast ausgerichtet. (Zum Artikel)
Im Bio-Hotel Gralhof am Weissensee hat Michael Knaller eine konsequent biologisch ausgerichtete Weinkarte aufgebaut. Im Mittelpunkt stehen österreichische Naturweine, darunter zahlreiche Vertreter der südsteirischen Szene, Orange Wines, Pet Nats und gereifte Raritäten. Dazu kommen österreichischer Sekt und ausgewählte Winzerchampagner. Mit dem Naturwein-Wochenende „Sans Merde“ bringt der Gralhof zudem Winzer:innen und Weinbegeisterte am Weissensee zusammen. (Zum Artikel)
von Bernhard Degen












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