17.02.2026
Der neue Kellermeister Marco Balsimelli liefert gleich mit seinem ersten Jahrgang ein Meisterwerk ab.

Wenn Familie Frescobaldi zur internationalen Präsentation des neuen Ornellaia Jahrgangs lädt, dann ist für die besten Weinjournalist:innen kein Weg zu weit. Aus London, aus Berlin und aus anderen Metropolen reisten die Gäste an, um der Jahrgangspremiere der toskanischen Rotweinlegende beizuwohnen. Als Location wurde dieses Jahr das Restaurant Konstantin Filippou in Wien auserkoren – ein schönes Heimspiel für die österreichischen Verkoster:innen.
Familienoberhaupt Lamberto Frescobaldi und Importeur Christoph Morandell begrüßten die Gäste und kamen rasch zur Sache, zur Vorstellung des neuen Jahrgangs. Marco Balsimelli hat als technischer Direktor (hierzulande als Kellermeister tituliert) den Wetterverlauf und die Vinifikation beschrieben: Der Winter war mild, mit relativ hohen Temperaturen und durchschnittlichen Niederschlägen, was zu einem frühen Austrieb führte. Das Frühjahr brachte reichliche Regenfälle, die halfen, die Wasserreserven für den Sommer aufzufüllen, jedoch auch sorgfältige Arbeit im Weinberg erforderten. Ein heißer Sommer brachte hohe Temperaturen, ohne jedoch extreme Spitzen zu erreichen, begleitet von Niederschlägen, die den Wasserstress in den Weinbergen ausglichen. Dadurch konnten die Trauben gleichmäßig und allmählich reifen, sodass die Beeren eine hohe Konzentration erreichten. Niederschläge Ende August und kühle Septembernächte förderten die Entwicklung der aromatischen Komplexität und bewahrten die Säure des Weins, was zu einem gelungenen Gleichgewicht zwischen Kraft und Eleganz führte und den Beinamen „La Vitalità“ einbrachte.
Jede Rebsorte und jede Parzelle wurden separat vinifiziert. Die Gärung erfolgte in Edelstahltanks und Betonbehältern bei Temperaturen zwischen 26 und 30 °C über eine Woche, gefolgt von einer Maischestandzeit von etwa 15 Tagen. Die malolaktische Gärung fand überwiegend in Eichenfässern statt, zu 70 Prozent in neuen und zu 30 Prozent in einmal gebrauchten Fässern. Anschließend reifte der Wein etwa 18 Monate in Barriques in den Kellern von Ornellaia.
Ornellaia 2023 “La Vitalitá”: 55 % Cabernet Sauvignon (CS), 26 % Merlot (ME), 12 % Cabernet Franc (CF), 7 % Petit Verdot (PV)
Dunkelrubin mit Purpur-Rand; intensive Aromatik mit Johannisbeere, Dörrzwetschke, Amarenakirschen, dunklen Kräutern wie Wermut, Bitterschokolade und Vanille; am Gaumen elegante Tanninstruktur, kleidet den Gaumen voll aus, tolle Balance, saftig, ein Hauch Fruchtsüße, Säure stützt unauffällig im Hintergrund. Schon jetzt sehr zugänglich, hat aber noch eine große Zukunft vor sich. (98 Punkte)
Ornellaia 2023 kommt am 1. April 2026 auf den Markt. Der 2022er wird aktuell um 235 Euro bei Morandell gehandelt.

Nach der Vorstellung des neuen Jahrgangs ließ Marchese Frescobaldi einige Höhepunkte aus der Ornellaia-Geschichte kredenzen, bis ins Jahr 1993 zurück.
Ornellaia 2016 “La Tensione” (51 CS, 27 ME, 18 CF, 4 PV): Klares Rubinrot im Glas; Kaffee, Feigen, Malz in der Nase, balsamisch, reife Kirschen, Nusslikör; am Gaumen erste Reife, roter Apfel, dunkle Kräuter, kraftvoll und konzentriert. (96 Punkte)
Ornellaia 2013 “L’Eleganza” (45 CS, 38 ME, 10 CF, 7 PV): Dunkelrubin mit Granatrand; kirschig-fruchtige Nase, Graphit, Stachelbeere, Walnuss; am Gaumen jugendlich frisch, gute Säurestruktur, weiche Tannine, weißer Pfeffer, wärmend. (97 Punkte)
Ornellaia 2009 “L’Equilibrio” (52 CS, 22 ME, 21 CF, 5 PV): Dunkelrubin, opak; Dörrobst, Amarenakirschen, Leder, Piment, grüne Mandeln, dahinter Himbeere im Aroma; am Gaumen noch gute Säurestruktur, runde Tannine, Lakritze und gute Würze. (96 Punkte)
Ornellaia 2004 (60 CS, 25 ME, 12 CF, 3 PV): Dunkelrubin, opak; lebendiges Bouquet mit Rumtopf, Zwetschke, reifen Kirschen, Lakritz und dunkler Schoko; am Gaumen mild und rund, kleidet den Gaumen gut aus, Kaffeelikör. Reifehöhepunkt um einen Wimpernschlag hinter sich gelassen. Lamberto Frescobaldi merkte augenzwinkernd an: “Wenn ich diesen Wein trinke, fühle ich mich um 21 Jahre jünger”. (95 Punkte)
Ornellaia 1993 aus der Magnum (78 CS, 17 ME, 5 CF, noch als Vino da Tavola klassifiziert): Helles Granatrot; Eukalyptus und grüne Mandeln in der Nase, dahinter Grenadine; am Gaumen brotig-röstige Noten, schon sehr ruhig, aber kaum oxidativ und noch Säure vorhanden. (92 Punkte)
von Bernhard Degen












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