02.05.2026
Fotos: Besuche und Primeurs Verkostungen bei den berühmtesten Châteaux der Welt. Trends, Tipps und 100-Punkte Weine.

Die weltweite Aufmerksamkeit der Weinbranche gilt Ende April dem einzigartigen Spektakel der Primeurs-Verkostungen in Bordeaux. Der neue Jahrgang (2025) wird mit einem aufwändigen Begleitprogramm vorgestellt, prächtige Châteaux werden für internationales Fachpublikum geöffnet. Das gesamte Weinbaugebiet vibriert förmlich vor Anspannung und da ist schon Einiges in Bewegung: Bordeaux ist von der Anbaufläche her nämlich zweieinhalb Mal so groß wie Österreich.
Hintergrund der Primeurs-Verkostungen ist die Preisgestaltung für den jeweiligen Jahrgang und die Hoffnung der Weingüter auf reichlich Subskriptionen, bei denen die Weine vorweg bestellt und bezahlt werden, während sie noch in Fässern und Kellern reifen dürfen. Die Weine sind natürlich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium, aber die Qualität entsteht bekanntlich im Weingarten und erfahrene Verkoster:innen erkennen in dieser frühen Phase ein halbes Jahr nach der Ernte bereits das Potenzial der Weine.
Eine entscheidende Rolle kommt in diesem System den lokalen Négociants zu, die prioritären Zugang zu den Weinen haben und diese zu verbindlichen Preisen weitergeben dürfen. Einer der wichtigsten Zwischenhändler ist das traditionsreiche Maison Salin, das über ausgezeichnete Kontakte zu den Châteaux verfügt und Zugang zu diesen für uns organisierte. Merci beaucoup an dieser Stelle.




Auf den Punkt gebracht kann man sagen: kleine Menge, exzellente Qualität. Das Jahr 2025 war im Sommer durch große Hitze und Trockenheit geprägt, was schon zu tiefen Sorgenfalten führte. Große Erleichterung brachte dann der ersehnte Regen Ende August, der die Situation grundlegend entspannte. Es folgten kühle Nächte, die für die Aromaprägiung perfekt waren und stabiles Ernte-Wetter.
Selbst erfahrene Winzer:innen konnten nicht abschätzen, wie sich die Wetterextreme auswirken würden. Das erleichterte Durchatmen nach den Primeurs-Verkostungen war gut zu hören: Der Jahrgang 2025 ist überraschend frisch, zeigt moderate Alkoholwerte, verfügt über klare Frucht und präzise Struktur. Ersten Einschätzungen zufolge wird es ein ganz großer Jahrgang. Ein Wermutstropfen ist aber die geringe Erntemenge, Branchenmedien berichten von minus 40 Prozent im Vergleich zum Schnitt der vergangenen zehn Jahre.
Man kann den Jahrgang 2025 als durchaus demokratisch bezeichnen, denn in allen Subregionen wurden unabhängig von den Rebsortenschwerpunkten außergewöhnliche Qualitäten erzielt. Aufgrund der herausfordernden Bedingungen und den hohen Anforderungen an die Önologen sind allerdings die großen Namen mit entsprechendem Background im Vorteil. Ich konnte rund zwei Dutzend Spitzen-Châteaux besuchen und vor Ort die Weine verkosten, ebenso konnte ich mir bei den Sammeltastings der Union des Grand Crus de Bordeaux einen guten Überblick verschaffen, ohne allerdings zu sehr in die Tiefe gehen zu können. Die Verkostungserfahrungen waren extrem beeindruckend und die Dichte an Weinen mit 100-Punkte-Potenzial ist einzigartig.
Folgende Weine haben Potenzial für die Höchstwertung und sind nur aufgrund der frühen Entwicklungsphase noch mit einer Schwankungsbreite von 98 bis 100 Punkten versehen:
Skeptiker des Subskriptionssystems kritisierten in den vergangenen Jahren, dass die Subskriptionspreise gleich hoch waren, als später am Sekundärmarkt. Wer allerdings bei diesem herausragenden Jahrgang zögert, der könnte später das Nachsehen haben, denn die Mengen sind, wie erwähnt, sehr gering.
Die zunehmende Hitze stellt die Weingüter vor vielseitige Herausforderungen. Die Winemaker berichteten von frühem Austrieb und wiederholter Frostgefahr. Bis zu sechs Mal wurden mancherorts bereits Frostfeuer entzündet. Besonders am rechten Ufer steigt der Anteil an Cabernet Franc, der mit der Hitze besser zurechtkommt als Merlot. Die Weinbereitung wird einerseits hochwissenschaftlich betrieben, andererseits kehrt man bei der Bewirtschaftung der Weingärten zu den Wurzeln zurück: immer mehr Châteaux setzen bei der Bodenbereitung auf Pferde. Damit einher geht eine kontinuierlich wachsende Fläche von biologisch oder biodynamisch bewirtschafteten Rebflächen. In der Kellertechnik werden immer mehr Amphoren oder Betongefäße verwendet.
Wer sich selbst ein Bild vom Nabel der Weinwelt machen möchte startet natürlich in der wunderbaren Stadt Bordeaux selbst und genießt fabelhafte Restaurants (z.B. L'Observatoire du Gabriel) oder Weinbars (z.B. Cornichon, Le Sobre). Eine besonders gute Gelegenheit, Bordaux zu entdecken ist die Fête le Vin, bei der sich die Kais in eine kilometerlange Weinstraße mit Pavillons und Ständen aus allen Appellationen verwandeln.
Außerhalb zieht besonders das Städtchen Saint-Émilion Besucher mit seiner mittelalterlichen Altstadt, vielfältigen Weinverkostungen und den umliegenden Grand-Cru-Weingütern an. Ein besonderes Highlight ist Château Troplong Mondot, das neben Spitzenweinen auch ein exklusives Hotelkonzept anbietet. Dort befindet sich außerdem das prämierte Fine-Dining-Restaurant „Les Belles Perdrix“, das regionale Küche mit Spitzenweinen kombiniert.
Bon voyage et santé!
von Bernhard Degen












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