15.07.2026
Der Sommelier-Vizestaatsmeister über seine Erfahrungen bei Döllerer und wie er Freude an Wettbewerben gefunden hat.

Der gebürtige Hamburger fand seine Leidenschaft für Wein zunächst im Service der Bullerei von Tim Mälzer, bevor ihn sein Weg über weitere Stationen in der Spitzengastronomie zu Döllerer nach Golling führte. Dort absolvierte er seine Ausbildung zum Sommelier und arbeitet heute als Assistant Head Sommelier an der Seite von Alexander Koblinger. Bei der Sommelier-Staatsmeisterschaft 2026 belegte er den hervorragenden zweiten Platz.
Gratuliere zum zweiten Platz bei der Sommelier-Staatsmeisterschaft. Wie haben Sie den neu konzipierten Wettbewerb mit der neutralen Leitung aus Lettland erlebt?
Es war für alle ein Wettbewerb mit wenigen Erfahrungswerten. Ich habe ihn als sehr professionell und hervorragend organisiert erlebt. Die Aufgaben waren gut gewählt, logisch aufeinander aufgebaut und natürlich mit Stolpersteinen versehen – aber nie unfair. Auch die Jury hat jederzeit einen sehr verständnisvollen und wertschätzenden Eindruck gemacht.
Wie wichtig sind derartige Wettbewerbe für die Sommellerie in Österreich?
Ich halte sie für sehr wichtig, weil sie die Sommellerie fördern und weiterentwickeln. Allein die Vorbereitung ist ein großer Anreiz, sich intensiv mit dem eigenen Wissen auseinanderzusetzen und sich fachlich weiterzuentwickeln. Noch wichtiger ist aber der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Gerade für junge Sommeliers sind das Netzwerk und das gegenseitige Lernen enorm wertvoll.

Wollen Sie weiter für Wettbewerbe trainieren, oder ist das neben dem Arbeitsalltag zu aufwändig?
Für mich war das erst der Anfang. Wie weit mich dieser Weg noch führen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Ich habe aber große Freude an Wettbewerben gefunden. Sie sind eine schöne Abwechslung zum Berufsalltag, und besonders den Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern habe ich sehr genossen.
Sie arbeiten aktuell als Assistant Head Sommelier bei Döllerer. Was waren Ihre prägendsten Stationen bis dahin?
Ich habe in der Bullerei von Tim Mälzer in Hamburg im Service begonnen und bin dort eher zufällig zum Thema Wein gekommen. Mit der Zeit habe ich meine Leidenschaft dafür entdeckt. Danach folgte eine kurze Station im Landhaus Flottbek, bevor ich in der Sternegastronomie bei 100/200 weitere Erfahrungen sammeln konnte. Im Stammhaus Döllerer liegt mein Schwerpunkt nun ganz auf der Sommellerie – dort konnte ich den entscheidenden Feinschliff bekommen.
Alexander Koblinger ist dabei ein unglaublich motivierender und unterstützender Mentor. Er gibt sein Wissen mit großer Freude weiter und fördert die Entwicklung seines Teams.
Welches Pairing begeistert Ihre Gäste aktuell besonders?
Ein besonderes Highlight auf unserer aktuellen Karte ist die Radieschentarte mit Störkaviar in Kombination mit dem Welschriesling Alte Reben Weinstock 2020 vom Weingut Tement. Das ist für mich ein außergewöhnlich harmonisches Pairing.
Was fordert Sie im Berufsalltag am meisten?
Es gibt zwei Dinge. Zum einen möchte ich Gäste nicht mit zu vielen Informationen überfordern. Mir ist wichtig, jeden Gast auf dem richtigen Niveau abzuholen und genau zu spüren, wie viel Kommunikation im jeweiligen Moment passend ist. Daran arbeite ich kontinuierlich.
Zum anderen beschäftigt mich die Arbeit mit unseren jungen Sommeliers. Es geht darum, Leidenschaft für Wein zu vermitteln, den eigenen Zugang zum Thema zu finden und aufzuzeigen, welche unglaubliche Vielfalt und welche Möglichkeiten die Weinwelt bietet.

Was war das schönste Gästefeedback, das Sie bisher bekommen haben?
Ein einzelnes konkretes Feedback ist mir gar nicht so sehr in Erinnerung geblieben. Viel schöner ist dieses Gefühl, wenn sich Gäste wirklich begeistern lassen. Oft kommen Menschen nach einem anstrengenden Tag zu uns, vielleicht etwas angespannt oder müde. Wenn sie sich dann auf den Abend einlassen und ihn mit einem Lächeln verlassen, ist das für mich das schönste Kompliment.
Welche Soft Skills sind für einen Sommelier unabdingbar?
An erster Stelle steht für mich Demut – gegenüber dem Produkt und gegenüber den Menschen, die mit viel Arbeit und Leidenschaft Wein erzeugen. Ebenso wichtig sind Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl im Umgang mit Gästen. Man muss erkennen, was der Gast gerade braucht und wie viel Kommunikation angenehm ist. Und Neugier ist elementar: Man sollte immer offen für neue Produkte, neue Trends und neue Perspektiven bleiben.
Womit überraschen Sie Gäste abseits von Wein?
Ich interessiere mich sehr für alkoholfreie Getränkebegleitungen. Die Gründe, warum Menschen keinen Alkohol trinken möchten, sind sehr unterschiedlich. Deshalb möchte ich niemanden einfach mit einem Apfelsaft gespritzt abspeisen. Es gibt heute großartige alkoholfreie Alternativen – beispielsweise den Fizz Blanc von Bründlmayer.
Welcher ist der erste Wein, an den Sie sich bis heute erinnern?
Das war der 689 white aus dem Napa Valley, ein Chardonnay-Sauvignon-Blanc-Blend. Heute wäre das vielleicht nicht mehr meine erste Wahl, aber dieser Wein hat mir damals sehr viel über das Weinmachen vermittelt und mein Interesse geweckt, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.
Warum sollten junge Menschen Sommelière oder Sommelier werden?
Dieser Beruf ist unglaublich vielfältig. Man kommt ständig mit Kultur, Menschen, Geschichte, Geografie und unterschiedlichen Lebenswelten in Berührung. Eine Reise in eine Weinbauregion ist jedes Mal unglaublich bereichernd. Außerdem lernt man in diesem Beruf nie aus und kann sich ständig weiterentwickeln. Und das Schönste ist: Wir dürfen jeden Tag mit Genuss arbeiten. Dafür bin ich persönlich sehr dankbar.
Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit bei Döllerer?
Ich empfinde es als großen Luxus, bei der Familie Döllerer arbeiten zu dürfen. Wir verfügen über eine außergewöhnlich breite Auswahl an Weinen, und ich profitiere täglich vom enormen Fachwissen von Alexander Koblinger. Schon während meines Praktikums habe ich die Leichtigkeit und Gastfreundschaft der Familie Döllerer sehr geschätzt. Dass ich anschließend die Chance auf eine fixe Stelle bekommen habe, hat mich ganz besonders gefreut.
von Bernhard Degen
In Zusammenarbeit mit

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