02.02.2026

Blaufränkisch-Hotspot Südspanien

Fotos: Besuch bei zwei Weingütern der DO Ronda mit deutschen und österreichischen Wurzeln, Schatz und Kieninger.

Die Puente Nuevo ist das Wahrzeichen von Ronda
Die Puente Nuevo ist das Wahrzeichen von Ronda © Valeriano G. / Unsplash

Marbella und Malaga in Südspanien haben wir als beliebte Destinationen für Strandurlaub im Kopf, aber niemand denkt dabei an Wein. Schon gar nicht an Cool Climate mit Blaufränkisch und Zweigelt. Dennoch, nicht einmal 50 Kilometer Luftlinie nördlich der Küste, befindet sich die DO Ronda, eine der jüngsten und agilsten Weinbauregionen Spaniens. Die Weinberge liegen auf einer Seehöhe von bis zu tausend Metern und der klimatische Einfluss kommt überwiegend vom kühlen Atlantik, denn der Gebirgszug Serrania de Ronda mit bis zu 1.900 Metern Seehöhe schirmt das Gebiet vom Mittelmeer ab. Mäßig heiße Tage und sehr kühle Nächte machen den Weinbau umso attraktiver, die großen Temperaturunterschiede fördern die Aromaausprägung. Hinzu kommt eine wünschenswert lange Vegetationsperiode und das überwiegende Ausbleiben von Unbill wie Spätfrost oder Hagel.

Tausche Spätfrost gegen Sonne

Friedrich – oder Federico, wie die Spanier:innen ihn nennen – Schatz hat von all diesen Vorzügen gelesen: “Ohne Internet, Anfang der 80er Jahre”, erzählt er im Gespräch mit Gault&Millau. Er stammt aus einer Weinbauernfamilie im Schwabenland, mit Südtiroler Wurzeln. Mit 18 Jahren keimte in ihm der Wunsch, Weinbau in einer klimatisch bevorzugteren Region als im Schwabenland zu betreiben. Damals war in Baden-Württemberg noch keine Rede vom Klimawandel, regelmäßig mussten schmerzhafte Einbußen durch Fröste oder Hagelunwetter hingenommen werden. Schatz machte sich daher auf Reisen und besuchte vielversprechende Weinbaugebiete, ehe er sich bei Ronda niederließ. In den 80ern spielte Weinbau hier keine Rolle. Zum Ende des 19. Jahrhunderts waren um Ronda noch etwa 13.500 Hektar mit Reben bepflanzt, dann kam die Reblaus. Danach waren es nur noch 238 Hektar. Nur zwei Weingüter überdauerten regionalen Angaben zufolge die Katastrophe, die restlichen Rebstöcke dienten nur dem Eigenbedarf am Hof.

Blaufränkisch und Zweigelt

Doch Friedrich Schatz hatte eine Vision. Er fand die Finca Sanguijuela, einen magischen Platz nördlich von Ronda auf 700 Metern Seehöhe und schuf sich sein Paradies, die Bodega F. Schatz. Auf einem bestehenden Weinberg experimentierte er mit verschiedenen Rebsorten, u.a. mit Lemberger, also Blaufränkisch. Zuerst biologisch, dann biodynamisch. Er lernte spanisch (“Wir Schwaben können alles, nur nicht Hochdeutsch”) und setzte sich für Ronda als anerkannte Weinbauregion ein. Einer seiner Mitstreiter war damals Alfonso von Hohenlohe, der Gründer des legendären Marbella Clubs, einem Treffpunkt internationaler Prominenz. Auch er hatte in den 80er Jahren ein Weingut bei Ronda gegründet und gemeinsam etablierten sie die DO Ronda. Durch die verschiedenen Einflüsse (u.a. pflanzte der bekannte Önologe Michel Rolland für Hohenlohe 18.000 französische Rebstöcke) ist der Sortenspiegel sehr international: Sauvignon Blanc, Chardonnay, Grenache/Garnacha, Petit Verdot, Cabernet Sauvignon, aber auch Blaufränkisch und sogar Zweigelt spielen eine Rolle.

Galerie

Garten der Bodega F. Schatz mit Ronda im Hintergrund
Garten der Bodega F. Schatz mit Ronda im Hintergrund © Bernhard Degen
Friedrich Schatz vor seinem Weingarten mit Blick auf Ronda
Friedrich Schatz vor seinem Weingarten mit Blick auf Ronda © Bernhard Degen
Martin Kieninger auf seinem Weingut
Martin Kieninger auf seinem Weingut © Bernhard Degen
Verkostungsraum auf der Bodega Kieninger
Verkostungsraum auf der Bodega Kieninger © Bernhard Degen

Friedrich Schatz empfängt uns auf seiner Finca unter Pinien und zeigt uns mit herrlichem Panoramablick seine Weingärten. Sein Weingut ist wie ein Biosphären-Park, jede Pflanze spielt eine Rolle. Die Pinien sind Heimat zahlreicher Vögel, die wiederum die Insektenpopulation regulieren. Myrten halten Schädlinge ab, andere Pflanzen wiederum reichern die Erde an. Schatz erzählt von einem weiteren Vorzug der Region, von Mai bis Oktober gibt es de facto keinen Niederschlag, weshalb Pilzkrankheiten keine Rolle spielen und der Verzicht auf Spritzmittel leicht fällt. Seit über vier Jahrzehnten pflegt Schatz nun sein Bio-Paradies und das schmeckt man in seinen Weinen, seine Handschrift ist durchgängig erkennbar, die Weine haben Charakter. Sein Acinipo 2022 ist ein reinsortiger Lemberger und gefällt mit würzigen Kräutern, dunklen Beeren und Wildkirschen. Finca Sanguijuela 2017 ist eine Cuvée aus Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Merlot und zeigt internationales Spitzenformat.

Önotourismus spielt ob der Nähe zu den mediterranen Tourismushotspots eine wichtige Rolle. Auch die Familie Schatz will noch dieses Jahr ein gediegenes Gästehaus mit mehreren Einheiten eröffnen. Das ermöglicht nicht nur ein 360-Grad-Fincaerlebnis ohne Autofahrten, auch ein kleiner Pool mit herrlichem Panorama lädt zum Entspannen ein.

Oberösterreich Export

Auch ein Österreicher hat bei Ronda eine neue Heimat gefunden: Der gebürtige Oberösterreicher Martin Kieninger baut seit 1998 Weine in der DO Ronda an. Was als Hobby begann ist nun ein ambitioniertes Weingut, die Bodega Kieninger, das exzellente Weine auf den Markt bringt. Mit dem Hintergrund einer Baufirma in der Heimat suchte der studierte Archtiekt etwas Distanz zum Familienbetrieb und gründete vorerst ein Architekturbüro in Ronda. Doch mit der Unterstützung von Friedrich Schatz fand er ein einzigartiges Anwesen auf 750 Metern Seehöhe, das sich perfekt für Weinbau eignete. Hier baute er seine neue Heimat auf und legte mithilfe von bekannten Önologen Weingärten mit vielversprechenden Sorten an. Neben französischen Reben wie Chardonnay, Pinot Noir oder Merlot versuchte er es auch mit Blaufränkisch und Zweigelt. 

Beide Österreicher gedeihen im südspanischen Klima prächtig, sein 7Vin 2019 ist ein Blaufränkisch, der Spuren von Zweigelt enthalten könnte. Er gefällt mit Aromen nach Kirsche, dunklen Beeren, Roten Rüben und Dörrpflaumen, am Gaumen mit schöner Säure und Tanninstruktur balanciert mit guter Länge. Noch überzeugender performt aber sein Merlot 2021 mit Duft nach Feigen, Herzkirschen, Dörrobst und Kletzenbirne; am Gaumen viel Druck, gute Säurestruktur und viel Potenzial. Martin Kieninger strahlt so viel Freude bei seiner Arbeit mit den Weinen und der gesamten Landwirtschaft aus, dass sich seine Tochter nun auch entschlossen hat, von Madrid nach Hause zu kommen und am Weingut zu arbeiten. Die Zukunft der Bodega Kieninger ist gesichert.

von Bernhard Degen

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