28.07.2026

Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen

Spitzensommelière Anna Astrid Berger im Interview über Skills in der Sommellerie und wie sie es geschafft hat, bei der Staatsmeisterschaft so cool zu performen.

Anna Astrid Berger
Anna Astrid Berger © privat

Den Namen muss man sich merken: Anna Astrid Berger. Bei der Sommelier-Staatsmeisterschaft im April 2026 war sie mit dem dritten Platz die große Überraschung. Die Assistant Sommelière im Restaurant Pfefferschiff lieferte mit Fachwissen, perfektem Handwerk und Humor einen überzeugenden Auftritt und erntete viel (vielleicht sogar den meisten) Applaus. 

Bei dem Wettbewerb wurden von der Jury realistische Situationen aus der Praxis nachgestellt, allerdings unter Prüfungs- und Zeitdruck sowie vor einem aufmerksamen Publikum. Eine Aufgabe war so mit Fallen und Überraschungen gespickt, dass alle anderen Kandidat:innen ins Schleudern gerieten. Anna Astrid Berger meisterte sie souverän und eroberte mit einer pointierten Meldung am Ende alle Sympathien. Im Gespräch mit Gault&Millau gibt sie Einblicke in ihre Ausbildung und unterstreicht, wie wichtig eine positive Einstellung ist.

Anna Astrid Berger bei der Sommelier-Staatsmeisterschaft
Anna Astrid Berger bei der Sommelier-Staatsmeisterschaft © Christine Miess

Gault&Millau: Sie waren mit dem hervorragenden dritten Platz die große Überraschung bei der Sommelier-Staatsmeisterschaft. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Anna Astrid Berger: Ich habe sehr viel verkostet und mich intensiv mit der Theorie beschäftigt. Dafür habe ich auch meine alten Unterlagen aus der Ausbildung zur Diplomsommelière wieder hervorgeholt, verschiedene Weinbücher durchgearbeitet und meine eigenen Notizen noch einmal studiert.

Besonders bemerkenswert war, mit welcher Coolness Sie den Zeitdruck bei den anspruchsvollen Aufgaben bewältigt haben. Ist das Übung oder bringt Sie sowieso nichts aus der Ruhe?

Man kann mich durchaus aus der Ruhe bringen. Aber in wirklich relevanten Situationen gelingt es mir meistens, einen klaren Kopf zu bewahren. Dinge, die ich ohnehin nicht beeinflussen kann, versuche ich gedanklich beiseitezulegen und mich auf das zu konzentrieren, was gerade zu tun ist. Ich glaube, es ist eine Mischung aus Übung und Einstellung.

Hat Sie jetzt das Feuer gepackt und trainieren Sie weiter für Sommelier-Wettbewerbe?

Ja, das hat mich schon ein bisschen gepackt! Es reizt mich sehr, wieder bei einem Wettbewerb mitzumachen, vielleicht schon im nächsten Jahr. Irgendwann könnte ich mir auch einen internationalen Wettbewerb vorstellen, aber dafür fühle ich mich momentan noch nicht ganz bereit.

Wein-Leidenschaft bei jedem Urlaub
Wein-Leidenschaft bei jedem Urlaub © privat

Sie arbeiten aktuell als Assistant Sommelière im Restaurant Pfefferschiff. Welche Ausbildung und welche Praktika gingen dem voran?

Ich habe die Tourismusschule HLF Krems besucht, eine wirklich coole Schule, die mir Lust gemacht hat, diesen Weg weiterzugehen. Die Gastronomie liegt bei uns aber ohnehin in der Familie: Meine Mutter führt gemeinsam mit meinem Onkel das Hotel Klinglhuber in Krems. Früher gehörte auch ein Gasthaus dazu, das allerdings während der Corona-Zeit geschlossen wurde. Ich bin also praktisch mit der Gastronomie aufgewachsen.

Ein Praktikum habe ich im Trofana Royal absolviert, mein letztes Schulpraktikum bereits im Restaurant Pfefferschiff – mittlerweile bin ich seit sieben Jahren hier. Dazwischen war ich ein Jahr in der Schweiz und habe im Hotel Alexander in Weggis am Vierwaldstättersee als Chef de Rang gearbeitet. Außerdem habe ich eine Wintersaison im Chalet Überhaus in Oberlech absolviert.

Gab es nach dem Erfolg bei der Sommelier-Meisterschaft Abwerbeversuche? Hat das Wellen geschlagen?

Nein, aber ich würde mich auch gar nicht abwerben lassen, ich fühle mich im Pfefferschiff sehr wohl. Aber es hat schon Wellen geschlagen. Sehr viele Leute haben mir gratuliert, und ich war überrascht, wie viele die Staatsmeisterschaft verfolgt haben. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Welches ist Ihr Lieblingspairing?

Ich esse sehr gerne gebratenen Fisch, dazu eine Flasche Champagner – das ist für mich eine großartige Kombination. Champagner ist generell ein unglaublich vielseitiger Speisebegleiter.

Anna Astrid Berger
Anna Astrid Berger © privat

Was war das schönste Erlebnis an Ihrem Arbeitsplatz bisher?

Seit der Staatsmeisterschaft bekomme ich von Gästen sehr viel positives Feedback zu meinem Abschneiden. Ich werde aber auch oft für meine authentische, lustige und freundliche Art gelobt. Es gibt viele schöne Momente in diesem Beruf – besonders dann, wenn man merkt, dass man einen Gast glücklich machen und ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte.

Was macht eine gute Sommelière bzw. einen guten Sommelier aus?

Man muss kommunikativ sein und sich auf den Gast einlassen können. Entscheidend ist, den Gast richtig zu lesen: Wie gut kennt er sich mit Wein aus? Was trinkt er gerne und auf welchem Niveau möchte er sich mit dem Thema beschäftigen? Als Sommelière oder Sommelier darf man sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Es sollte immer ein Zusammenspiel mit dem Gast sein.

Was darf in der Getränkebegleitung nicht fehlen, abgesehen von Wein?

Zu Käse serviere ich sehr gerne Cream Sherry oder PX (Anm.: Pedro Ximénez Sherry). Auch Schaumwein und insbesondere Champagner sind vielseitig einsetzbar und beispielsweise großartig zu Kaviar. Und mit einem guten Bier kann man ebenfalls viel machen – ein Weißbier etwa ist ein toller Speisebegleiter.

Wenn morgen der Komet einschlagen würde und der Weltuntergang bevorsteht: Was trinken Sie am letzten Abend?

Wahrscheinlich eine Flasche Champagner. Oder einen Riesling aus meiner Heimat, am liebsten vom Heiligenstein – vielleicht von Hirsch oder Allram und aus dem Jahrgang 2021.

sommelierunion.at

von Bernhard Degen

Wein auch als Sundowner
Wein auch als Sundowner © privat

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