18.02.2026
In der neuen ORF-Doku „Aufsperren statt Zusperren“ zieht Schinko als „Wirtshausretterin” durch leerstehende Gaststätten.

Im Wirtshaus wird nicht nur getrunken und gegessen, es ist auch eine Stätte gegen Einsamkeit. Eine, in der vielerorts die Lichter ausgehen: Immer mehr Gasthäuser schließen, weil die Nachfolge fehlt. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Frankreich, wo die Regierung inzwischen an einem Gesetz arbeitet, um den Erhalt der Bistros zu sichern. „Es hilft nichts, wenn immer nur vom Wirtshaussterben die Rede ist“, sagt Kira Schinko. „Es braucht Bewusstsein für die Einzigartigkeit dieser Begegnungsorte.“
Die Kommunikationsstrategin und Moderatorin hat eine große Verbundenheit mit dem Thema. Nicht zuletzt, weil sie selbst in einem Wirtshaus aufgewachsen ist. Schinko startete im Sommer 2024 mit einer „Wirtshaus Show“, in der sie der Frage nachging, was ein Wirtshaus ist und was es alles sein kann. In der neuen ORF-Dokumentation „Aufsperren statt Zusperren“ zieht sie nun als „Wirtshausretterin“ durch das Land, sucht sich prominente Verbündete aus der Gastronomie und belebt leerstehende Objekte mit der Hoffnung, neue Pächter:innen zu lukrieren.
„Es ist eine Dating-Show für Wirtshäuser“, beschreibt Kira Schinko im Gespräch mit Gault&Millau das Konzept. „In jeder Folge bin ich in einer anderen Ortschaft, spreche mit ehemaligen Wirtsleuten und sperre ein altes Wirtshaus mit der Hilfe von Gastronominnen und Gastronomen für einen Tag auf.“ Zur Seite stehen ihr dafür unter anderem Theresia Palmetzhofer (Zur Palme), Philip Rachinger (Ois), Josef und Elisabeth Floh (Der Floh) und die Gastronom:innen hinter dem Wirtshaus zum Dritten Tage. Daneben erzählt Schinko von jenen, die diese Häuser prägen, auch wenn sie selten im Rampenlicht stehen. Wie der Seniorchefin und Mutter von Palmetzhofer, die den Betrieb lange Zeit mit sechs Kindern führte. „Uns war es wichtig, Frauen mit ins Boot zu holen und queere Communities einzubinden.“ So führt eine Folge zur „Absteige zur bärtigen Therese“ auf die Koralm, die selbsternannte erste queere Lokalität auf 1000 Metern Seehöhe.
Was auch wesentlich war: Alle beteiligten Gastronom:innen sollten selbst ein Wirtshaus führen. „Beim Floh essen die einen Würsteln, die anderen ein Fine Dining-Menü. Das schließt sich nicht aus“, sagt die Linzerin. Für viele dieser Köch:innen ist die Wirtshausküche auch der Ursprung für gutes Kochhandwerk. „Philip Rachinger möchte deshalb, dass seine Lehrlinge selbst im Wirtshaus kochen und lernen. Und Harald Irka erzählte mir, dass für ihn richtiges Kochen nur dort stattfindet.“




Das Schwinden der Wirtshäuser ist kein nur ländliches Problem, dennoch ist es dort am deutlichsten spürbar. „Ich habe erlebt, dass mancherorts Beerdigungen tatsächlich nach Öffnungszeiten der Gasthäuser gelegt werden müssen, damit man beim Leichenschmaus zusammenkommen kann.” Einmal mehr, wodurch die Bedeutung sichtbar wird: Familien, Freund:innen, Fremde treten in Gaststuben in Beziehung. „In einem unserer wiederbelebten Wirtshäuser trafen sich Vereine, die lange nicht mehr auf diese Weise zusammengekommen waren“, erzählt Kira Schinko.
Für die Moderatorin bedeutet das Wirtshaus Gemütlichkeit, nach der sich alle sehnen, das aber zeitgemäß gedacht und gefördert werden müsse. Jedenfalls hält sie fest: „It takes a village to have a Wirtshaus. Während unserer Dreharbeiten waren wir schon nach zwei Tagen insolvent.” Wie sich das alles ausgeht und auf welche Charaktere Kira Schinko auf ihrer Reise durch heimische Wirtshäuser trifft, ist ab 18. Februar 2026 um 22 Uhr auf ORF 1 zu sehen. Ein erster Erfolg zeichnet sich bereits jetzt ab: Der von Schinko und ihrem Team revitalisierte Betrieb in Linz hat mittlerweile neue Pächter:innen gefunden.
Weitere Infos zur Dokumentation finden Sie hier.
von Derya Metzler
Anm. d. Red.: Sollten Sie Informationen zu leerstehenden oder nach einer Nachfolge suchenden Betrieben haben, freuen wir uns über entsprechende Hinweise und leiten diese gerne weiter: redaktion@gaultmillau.at












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