01.01.2025

Katharina Gnigler: „Wir müssen uns in Österreich nicht verstecken“

Die Sommelière des Jahres 2025 über internationale Erfahrungen und das Ende rauschiger Restaurantabende.

Katharina Gnigler
Katharina Gnigler © Gröller Hospitality / Georg Kukuvec

Nach 14 Jahren Gastronomie an verschiedenen Stationen entschied Katharina Gnigler für sich: „Mein Platz ist Daham.“ Mit ihrer Position als „Head of Wine and Service“ im Gröller-Imperium am Traunsee – dem Bootshaus und der Belétage – kehrte sie in ihre Heimat zurück und gestaltet die Betriebe seither maßgeblich mit. Ohne steifer Etikette, mit jeder Menge Professionalität und familiärer Handschrift. Eine Arbeitsweise, die Früchte trägt: Zuletzt wurde Gnigler als „Sommelière des Jahres 2025“ ausgezeichnet. 

Im Gespräch mit Gault&Millau spricht die Weinexpertin über ihre Leidenschaft Sommelerie, die Wertschätzung österreichischer Weine und darüber, wie man die junge Generation für die Branche begeistern kann.

Gault&Millau: Wie hat Ihre Laufbahn in der Gastronomie gestartet?

Katharina Gnigler: Ich habe damals meine Lehre als Koch-Kellnerin am Traunsee beim Hois'n Wirt gemacht. Relativ schnell war mir klar, dass ich in den Service gehöre – ich wollte raus zu den Gästen. Die Küche war nur ein kurzer Abstecher, danach war ich immer im Service. 

Und so fanden Sie auch die Liebe zum Wein?

Die entfachte vor allem während meiner Zeit im Tennerhof in Kitzbühel. Dort habe ich zum ersten Mal richtig mit Wein gearbeitet und gemerkt, wie spannend das Thema ist. Später habe ich in Innsbruck dann die Ausbildung zur „Österreich-Sommelière“ und das Diplom abgeschlossen. 

Welche Stationen haben Sie noch geprägt?

2013 ging es für mich auf die MS Europa. Zuerst als Commis, dann ins Weinteam, wo ich viel mitnehmen konnte. Danach war ich 6,5 Jahre bei Andreas Döllerer, wo ich als Demi Chef de Rang begann und bald zur Sommelière aufstieg. Dort habe ich mit Alex Koblinger auch einen meiner wichtigsten Mentoren bekommen. Von ihm habe ich wahnsinnig viel gelernt, seine positive Art hat mich sehr geprägt. Nach meiner Zeit in Golling wollte ich ins Ausland und bin dann ins Geranium in Kopenhagen.

Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Dass wir uns in Österreich nicht verstecken müssen und wir hier einen richtig guten Job machen. Die kochen dort auch nur mit Wasser.

Dann haben Sie sich entschieden, nach Österreich zurückzukehren. 

Ja. Nach einem Jahr Geranium kam der Anruf vom Landhaus Bacher, woraufhin ich zwei Jahre lang in die Wachau gegangen bin. Das war für mich das erste Mal, in einer Weingegend zu leben und gleichzeitig arbeiten. Es ist ein Haus mit viel Traditionen und wahnsinnig tollen Weinen mit Jahrgangstiefe. Nach 14 Jahren unterwegs hatte ich aber generell das Bedürfnis, ganz nach Hause, zurück nach Oberösterreich, zu gehen. Ich habe dann Wolfgang Gröller angerufen und gefragt: „Wie schaut’s aus, Wolfgang? Ich würde heimkommen. Überleg‘ dir mal, was du mit mir anfangen kannst.“ So entstand meine Position als Head of Wine and Service. Und da das Hotel Post am See gerade umgebaut wurde, konnte ich den Betrieb von Anfang an mitgestalten.

Was zeichnet Ihren Stil hier am Traunsee besonders aus? 

Arbeiten auf höchstem Niveau – aber entspannt und authentisch. Jeder Gast soll sich willkommen fühlen, als wäre er Teil einer großen Familie, die sich gemütlich im Wohnzimmer trifft.

Sie haben sich mittlerweile einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet und Auszeichnungen wie Sommelière des Jahres bekommen. Welche Ziele setzen Sie sich noch?

Sommelière des Jahres zu sein, war nie ein konkretes Ziel von mir, das ist eine unglaubliche Draufgabe. Als mir das mitgeteilt wurde, bin ich aus allen Wolken gefallen. Generell möchte ich aber zeigen, wie schön der Beruf ist und vor allem die Jugend motivieren. Und ich möchte weiterhin so arbeiten, dass sich die Gäste denken: „Wenn wir zur Kathi kommen, haben wir eine gute Zeit.“

Den Nachwuchs für die Gastronomie zu gewinnen, wird immer schwieriger. Wie könnte man junge Menschen dazu begeistern?

Indem man es positiv vorlebt! Der Beruf wird oft schlechtgeredet – klar, es gibt intensive Arbeitszeiten, aber es ist wie im Profisport: Wenn du etwas erreichen willst, musst du viel geben. In kaum einem anderen Job bekommt man so direktes Feedback von den Gästen und lernt so viele tolle Menschen kennen. Außerdem hat man nirgends so viel Spaß wie in der Gastro.

Wie siehst du die Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich im internationalen Vergleich?

Die Ausbildung in Österreich ist auf einem sehr hohen Niveau. Die Kurse am WIFI bieten eine solide Basis, auf der man aufbauen kann. Der Diplom-Sommelier ist ein wichtiger Grundstein – aber danach liegt es an einem selbst, ob man ein kleines Haus oder ein Schloss darauf baut. In Österreich haben wir eine starke Ausbildungstradition, viele Direktoren international renommierter Betriebe kommen aus Österreich, was auf jeden Fall für die Qualität spricht. 

Der Weinkonsum in Österreich geht zurück. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die Sommelerie – und wie gehen Sie persönlich damit um?

Der Umgang mit Alkohol hat sich verändert, es wird weniger und bewusster getrunken. Die Zeiten sind vorbei, dass man nach einem Dinner rauschig aus dem Restaurant wackelt. Ich erlebe immer öfters, dass alkoholfrei oder teils alkoholfrei getrunken wird. Wir arbeiten da beispielsweise mit Produkten von Barbara Öhlzelt, Wachstum König, Peng Peng Booch oder Obsthof Retter und bauen unser alkoholfreies Angebot immer weiter aus.

Katharina Gnigler im Wordrap

Wenn Sie sich ein Weingut an einem Ort Ihrer Wahl aufbauen könnten, welcher wäre das?
Im Kamptal, unter dem Heiligenstein

Lieblingspairing?
German Gold-Paradeiser mit

Bester Begleiter zu Schnitzel?
Roter Veltliner vom Fritsch

Bester Begleiter für den Osterbrunch?
Blanc de Blanc 2014 von Fred Loimer

Eine unterschätzte Rebsorte?
Welschriesling, Roter Veltliner, Blaufränkisch

Welches Weinland wird in den nächsten Jahren überraschen?
Spanien

von Derya Metzler

In Zusammenarbeit mit der

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